Die beiden Luftschutzbunker in Weenermoor

vom Typ "Betonierter Deckungsgraben"

 

 

Der Bunker neben der Weenermoorer Kirche

 

Der ehemalige Luftschutzbunker neben der Weenermoorer Kirche ist als Mahnmal für die Schrecken des Krieges wieder hergerichtet worden.

 

Der Bunker neben der Kirche im Jahr 1996

Grundriß des Bunkers

 

Der Schutzraum neben der Kirche ist einer von drei in Weenermoor und Möhlenwarf noch existierenden Bunkern. Es sind vier Bunker in den Ortschaften bekannt. Der zweite Bunker in Weenermoor ist auf dem Privatgrundstück der Familie de Freese und nicht zugänglich. Ein dritter Bunker befand sich bis zum Bau der Sparkasse in Möhlenwarf neben dem Grundstück der alten Volksschule. Dieser war baugleich mit dem weiter unten beschriebenen Schutzraum und wurde 1981 abgerissen. Ein vierter befindet sich in Möhlenwarf an der Bundesstraße und ist halb abgetragen als Zisterne in ein Wohnhaus integriert. Alle vier Schutzräume sind / waren im eigentlichen Sinn keine echten Bunker - in Fachkreisen nennt man diesen Typ "Betonierter Deckungsgraben". Sie sind etwa in den Jahren 1943/44 gebaut worden. Sie sind bzw. waren baugleich. Bei vollständiger Ausstattung sollten sie gegen Gas, Splitter, Beschuß und Trümmer schützen. Die betonierten Deckungsgräben wurden aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges heraus entwickelt. Sie sind jedoch nicht bombensicher.

 

Gegen Kriegsende nahm die Zahl der sogenannten Störangriffe durch Tiefflieger, die auf alles schossen, was sich bewegte, immer mehr zu. Zusätzlich zu den festen Bunkern behalf man sich vor allem mit Erdlöchern, getarnten Einmannlöchern, die überall an den Straßen und Wegen gegraben worden waren und kleineren, mit Gras getarnten Erdbunkern. In den letzten Kriegstagen im Rheiderland im April 1945 konnten diese aber oft den Granaten und dem Artilleriebeschuß nichts entgegensetzen. Bei dem Einmarsch von kanadischen Truppen kam es entlang der Grenze und an der Ems zu heftigen Kämpfen. Möhlenwarf und die nähere Umgebung lagen zeitweilig genau im Zentrum der Gefechte. Da die Emsbrücken zerstört waren, mußten die Verletzten ins Lazarett nach Meppen gebracht werden. Am 26.04.1945 wurde schließlich das ganze Rheiderland von kanadischen Truppen besetzt.

 

Nach dem Krieg wurden die Bunker oft als Lagerraum für Feldfrüchte genutzt, danach waren sie Spielplatz der Dorfjugend.

 

Der Heimatkundliche Arbeitskreis begann 1997 mit der Entrümpelung des Bunkers, denn über die Jahre hatte sich im Inneren eine Menge Schrott angesammelt. Außerdem wurde der Bunker mehrmals leergepumpt, bis man das immer wieder eindringende Wasser im Griff hatte. Im Eingangsbereich erhielt der Bunker eine von Manfred Heitling und Karl Spekker angefertigte neue Metalltreppe. Seit dieser Zeit ist der ehemalige Schutzraum als Mahnmal zur Besichtigung für jedermann zugänglich.

 

Nach dem Einbau der Tür und der Metralltreppe
wird das Schild befestigt

Manfred Schoormann† und Manfred Heitling

Die Herrichtung des Außenbereichs 1997
Hinrich Tooren und Johann Janssen

 

   
Im Außenbereich wurden Anpflanzungen vorgenommen und eine Schautafel aufgestellt. Dort wird das Kriegsende im Rheiderland und im übrigen Ostfriesland beschrieben.
   

Im Frühjahr 2005




 

Viele Schulklassen besichtigen den Bunker

Oben: Rieke de Vries, Pamela Dams, Jannes Sonnenberg,
 Ingo Robbe, Jan Bültena, Vanessa Veldkamp, Wenko Wildeboer,
 Sina Stein, Erik Meyer, Natalie Thieben, Nina Koenen, Kevin Rix
Vorne: Annita Gelder, Lehrerin Erika Appel, Michelle Siningen,
 Maria Eling, Julia Wessels, Daniela Smidt, Anne Duhm,
 Hermann Weber

 

 Wichtiger Hinweis:

 Der Bunker ist ab März bis etwa Oktober geöffnet. In den Wintermonaten muß der Bunker wegen des sich dort sammelnden Grund- und Regenwassers geschlossen bleiben. Bitte haben Sie Verständnis.

 

 

 

Der Bunker neben der Kirche

 

Wieder für die Öffentlichkeit zugänglich
Luftschutzbunker in Weenermoor

 

Statt einer schweren Eisentür
ist heute eine Gittertür eingebaut

 

Steiler Eingang in den Bunker

 

Splitterschutzwinkel

 

Ehemalige Gasschleuse

 

Schutzraum

 

Eingang zum Bunkerraum

 

Blick auf den ehemaligen Notausstieg

 

Aufmaß des Bunkers
(Betonierter Deckungsgraben)
Teil 1

Aufmaß des Bunkers
(Betonierter Deckungsgraben)
Teil 2

 

 

Tag des offenen Denkmals in Weenermoor

 

Seit 1999 wird im Rahmen der „European Heritage Days“ in der ganzen Europäischen Union der „Tag des offenen Denkmals“ ausgerichtet. In jedem Jahr wird ein neues Schwerpunktthema festgelegt, zu denen sich die Veranstalter mit den verschiedensten Projekten beteiligen können.

 

Bisher gab es folgende Schwerpunkte:

 

                  1999               Europa, ein gemeinsame Erbe

                  2000              Alte Bauten – Neue Chancen

                  2001               Denkmal als Schule – Schule als Denkmal

                  2002               Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles

                  2003               Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal

                  2004               Wie läuft's? – Schwerpunktthema Wasser

                  2005               Krieg und Frieden

 

Plakat zum Tag des offenen Denkmals 2005

Es zeigt einen Grabesengel vom Friedhof Hamburg-Ohlsdorf und die Zitadelle Cyriaksburg Erfurt

 

 

Thema am 11. September 2005: Krieg und Frieden

 

In der offiziellen Ankündigung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz heißt es hierzu:

 

„Seit 60 Jahren haben wir in Deutschland keinen Krieg mehr erleben müssen. Wenn wir aus dem Blickwinkel der deutschen Geschichte an die Schlagworte "Krieg und Frieden" denken, so drängen sich sofort die Schreckensbilder des Zweiten Weltkriegs von Zerstörung, Tod und Leid auf.

 

Die großen Kriege der vergangenen Jahrhunderte, insbesondere des 20. Jahrhunderts, zeichneten jedoch nicht nur Deutschland schwer. Der Erste und der Zweite Weltkrieg, die Napoleonischen Befreiungskriege oder der Dreißigjährige Krieg überrollten ganz Europa bis über seine Grenzen hinaus. Diese Kriege allein kosteten Abermillionen Menschen das Leben und brachten Hunger, Krankheit und Armut. Häuser und Höfe, Städte und Dörfer wurden geplündert, gebrandschatzt und verwüstet. Dadurch gingen wertvolle Kulturdenkmale für immer verloren. Aber auch Religionskriege, kleinere Schlachten und Fehden waren zu allen Zeiten für die Bevölkerung und die Bausubstanz betroffener Gebiete verheerend.

Immer wieder jedoch bauten die Menschen ihre zerstörten Wohnhäuser, Kirchen und öffentlichen Bauten in der Architektur ihrer Zeit wieder auf, bewußt in den alten Strukturen oder als deutlicher Neuanfang. In längeren Friedensphasen gelangten viele Städte und Regionen zu Wohlstand, der sich auch im Reichtum ihrer Bauwerke niederschlug.

 

Das Thema "Krieg und Frieden" ist also für die Entwicklung der Architektur von großer Bedeutung. Diese Entwicklung ist naturgemäß eng mit allen Fragen und Belangen der Denkmalpflege verknüpft, die neben architekturgeschichtlichen Aspekten immer im Mittelpunkt des Denkmaltags stehen.

Mit dem Motto "Krieg und Frieden" wurde in diesem Jahr wieder ein Schwerpunkt gewählt, der außerordentlich viele Berührungspunkte mit zahlreichen Kulturdenkmalen hat, die am Tag des offenen Denkmals gezeigt werden. Wie immer gilt, daß das Schwerpunktthema als Möglichkeit angeboten wird, den Denkmaltag aus neuen Perspektiven zu gestalten und neue Denkmale zugänglich zu machen.“ *)

 

Der „Tag des offenen Denkmals“ ist eine gemeinsame Aktion der zuständigen Ministerien der Bundesländer, der Landesdenkmalpfleger, der Landesarchäologen, der kommunalen Spitzenverbände, des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, der Landeskirchen, des Deutschen Heimatbundes, der Deutschen Burgenvereinigung sowie vieler Kreise, Städte, Gemeinden, Verbände, Vereine, privater Denkmaleigentümer, Bürgerinitiativen und der Stiftung Denkmalschutz.

 

Die Stadt Weener beteiligte sich mit zwei Projekten am „Tag des offenen Denkmals“. Es konnten am 11. September 2005 die Schanzenanlage in Diele und der Luftschutzbunker in Weenermoor besichtigt werden. Dazu referierte Dr. Bernd Parisius, Leiter des Staatsarchivs in Aurich, im Heimatmuseum über die letzten Kriegstage in Ostfriesland.

 

Auskünfte zu den bundesweiten Aktionen erhalten Sie bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

 

 

*) Quelle: Internet, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, (http://www.tag-des-offenen-denkmals.de)

 

 

Tag des offenen Denkmals 2005

Zusammengerückt versetzten sich die Besucher
 zurück in die Zeit des Krieges

Foto: Himstedt

Draußen wurden die Erfahrungen besprochen

Foto: Himstedt

 

 

 

 

„Mama, mach’ das Licht an, es ist so dunkel, ich kann nichts mehr sehen!

Ein Erlebnisbericht von Annemarie Block aus den letzten Kriegstagen

 

Es war am 23. April 1945, heute würde man sagen „kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges“, doch das wußte man damals noch nicht. Die deutschen Truppen lagen an der Ems und schossen nach Holland. Leider zu kurz – so wurde die Bevölkerung an der Grenze getroffen.

 

Zwischen dem Bahnwärterhaus und dem Haus der Familie Becker hatten die Männer einen Erdbunker gebaut, so wie es auf dem Land üblich war, mit Gras oben drauf. Darin saßen die Großeltern, Johann, Hiddo, Tante Hanne mit Sohn Johann, Mutter mit Mia, Willi und mir, sowie die gesamte Familie Becker.

 

Bei einem Angriff versackte der Bunker. Da wir keinen kriegserfahrenen Mann bei uns hatten, verließen wir in Panik den Bunker. Mutter hatte unseren Jüngsten auf dem Arm und Oma Marie Mia. Für mich war niemand zuständig. Ich rannte an Oma vorbei in Richtung Beckers Haus. Ich spürte plötzlich etwas am rechten Ohr und lief weiter. Dann wurde mir schwindelig und ich fiel hin. Von Ferne hörte ich später Stimmen: „Hier liegt sie!“ Ich war bis zum Dorffriedhof gerannt.

 

Was mir später erzählt wurde: Bei mir waren am rechten Ohr Splitter eingedrungen, das rechte Ohr hing herab. Bei Mia drangen Splitter in die rechte Schläfe ein. Sie rief manchmal: „Mama, mach’ das Licht an, es ist so dunkel, ich kann nichts mehr sehen!“ Willi hatte Glück, daß er nicht im Kinderwagen gelegen hatte. Die Kappe des Kinderwagens war durchlöchert wie ein Sieb. Bei ihm drangen die Splitter in die Leiste ein. Unsere Mutter wurde an beiden Beinen getroffen.

 

Auch unsere Nachbarn, Frau Becker und ihr Sohn, erlitten Verletzungen. Die medizinische Versorgung war in dieser Zeit miserabel. So mußten „braune Schwestern“ im Dorf die Verwundeten versorgen. In der Nacht nach dem Angriff war es so still, daß man die Schreie der Verwundeten an der Grenze hören konnte.

 

Wir, Frau Becker und Sohn, Mia und ich wurden in einem Sanitätsfahrzeug zum Kloster nach Meppen gebracht, darin war ein Lazarett eingerichtet. Zwischendurch kam ich zu Bewußtsein. Ich saß im Führerhaus auf dem Schoß eines Sanitäters. Einmal waren wir an der Grenze. Ich sah, wie der Schlagbaum hochgezogen wurde. Im Lazarett angekommen, setzten mich die Schwestern in eine Wanne. Ein Pastor aus Meppen kümmerte sich um uns. Er fragte in einem Gefangenenlager nach einem Arzt, der zwei Gehirnoperationen durchführen könnte. Er fand einen, aber den Namen meines Retters habe ich nie erfahren. Er mußte gleich nach den Operationen, die in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 1945 stattfanden, ins Lager zurück. Meine Schwester Mia überlebte die Operation nicht, sie wurde auf dem Friedhof in Meppen beigesetzt. Eine Nonne gab ihr einen Rosenkranz mit ins Grab. Das Grab daneben blieb leer – es war für mich gedacht. Wir Schwestern sollten zusammenbleiben.

 

Sieben Tage nach der Operation wurde ich endlich wach. Ich lag in einem Gitterbett neben verwundeten Soldaten, die mich rührend umsorgten. Zu dieser Zeit gab es keine Intensivstationen – aber wer wurde wohl besser beobachtet. Ich durfte keinen Zeh aus dem Bett stecken, schon war einer da und deckte mich zu.

Meine Angehörigen erfuhren erst später, wo man uns hingebracht hatte. Da machten sich Tante Hanne und Tante Fenni per Fahrrad auf den Weg von Weener nach Meppen. Als sie an mein Bett traten, sagte ich zu Tante Hanne: „Ich kann nicht mehr nuckeln!“

 

 

 

Der zweite Bunker von Weenermoor

 

Abseits von der Straße und heute unter Büschen und Bäumen versteckt liegt der zweite ehemalige Luftschutzbunker von Weenermoor. Da er sich auf einem Privatgrundstück befindet, ist er nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch diese Anlage ist vom Typ "Betonierter Deckungsgraben" und gleicht bis auf die Ausmaße dem ersten Bunker. Des weiteren ist er spiegelverkehrt zum ersten angelegt und scheint etwas kleiner und enger zu sein. Der 1981 abgerissene Bunker an der Kreuzung "Knotenpunkt" in Möhlenwarf war in Größe und Ausrichtung baugleich.

 

Der zweite Bunker in Weenermoor

Grundriß des Bunkers

 

Trotz oder gerade wegen seiner versteckten Lage ist der Bunker etwas besser erhalten als der Bunker neben der Kirche. Die Abluftschächte sind schön zu erkennen und sowohl die ursprünglich wasserabweisende Deckschicht auf dem Bunker und die Schutzschicht für die inneren Bunkerwände sind gut erhalten. Außerdem liegt der Bunker wohl höher und daher trockener als die Anlage neben der Kirche.

 

Der Eingang zum zweiten Bunker
führt nicht so tief herunter

 

Wie beim Bunker an der Kirche
öffnete sich die Tür nach links
 

Die wasserabweisende Deckschicht
ist noch gut erhalten

 

Der Notausstieg

 

 

Ehemalige Gasschleuse

 

Eingang zum Bunkerraum

 

Schutzraum mit gutem Wandverputz

 

Blick auf den ehemaligen Notausstieg

 

 

Wegen seiner isolierten Lage ist der zweite Weenermoorer Bunker in einem guten Zustand. Die wasserabweisende Deckschicht auf dem Bunker ist noch fast vollständig erhalten und die Innenwände sind noch mit einer ähnlichen Schicht verputzt. Leider fehlen, wie beim Bunker an der Kirche, auch hier die Halterungen der Türen und Sitzbänke.

 

Die Be- und Entlüftungsrohre auf dem Bunkerdach sind im Gegensatz zum anderen Bunker gut sichtbar. Beim Bunker an der Kirche wurden diese schon vor Jahrzehnten zubetoniert. Man kann darauf noch die alten viereckigen Mauerreste sehen, die vermutlich einmal zu einer Schutzklappe oder anderen Einrichtung geführt haben.

 

Die ehemaligen Belüftungsöffnungen
waren einmal ummauert
(Öffnung im vorderen Teil des Bunkers)
 

Doppelte Be- und Entlüftungsöffnung
Die Mauerreste sind gut zu erkennen
(Öffnung im hinteren Teil des Bunkers)
 

Die Einzelöffnung über der Tür
im Schutzraum
Die nach oben schräg zulaufenden
Doppelrohre am Schutzraumende