Die Fluttermühle

(Tjasker)

 

 

Im Hammrich zwischen Weenermoor und Sankt Georgiwold gibt es eine Besonderheit zu sehen: Eine Fluttermühle. Sie ist der Nachbau einer historischen Wasserschöpfmühle, die der letzte Mühlenbauer im Landkreis Leer, Richard Kluin aus Ihrhove angefertigt hat.

 

Die Fluttermühle - holländisch Tjasker - ist eine niederländische Erfindung aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurde in den tiefgelegenen Poldergegenden der Niederlande, aber auch in Ostfriesland und der deutschen Nordseeküste Entwässerungsmühle eingesetzt. Ziel war es, die Äcker und Weidelandschaften trocken zu halten. Zahllose Fluttermühlen in jeder Größe wurden in der Region aufgestellt.

 

 

Name

Die Bezeichnung "Flutter" leitet sich vom altfriesischen "fletta" (bewegen, von der Stelle bringen) und niederdeutschen "fluttern" (flattern) an.  Die Mühle besteht aus 4 Flügeln - meistens mit Segeln bespannt - und einer archimedischen Schraube (Schnecke). Dies ist seit eine seit Jahrhunderten praktizierte und wohl die einfachste Art der Wasserhebungstechnik. Die Erfindung der "Archimedischen Schraube" (und damit auch des Flutters) geht auf den bedeutenden griechischen Mathematiker, Physiker und Ingenieur der Antike Archimedes (* um 285 – 212 v. Chr.)  zurück. Er entwickelte unter anderem das Hebelgesetz, erkannte das spezifische Gewicht und entdeckte die Kreisberechnungszahl "Pi".

 

 

 

 

Geschichte

Daß diese "Schraubenmühle" bereits im Jahre 1598 erfunden wurde, geht aus einem Lizenzbrief aus Middelburg (NL) hervor. Daneben gab es auch eine als "Schreckmühle" bekannte Wasserpumpmühle, die in zahlreichen Exemplaren zur Entwässerung von zum Teil erheblich unter dem Meeresspiegel liegenden Niederungen eingesetzt wurden. Über einen Ständer (Pahl) wurden sie von Hand in den Wind gedreht. Brett- oder Segelflügel sorgten für den Antrieb.

 

 

Gegenwart

Moderne elektrisch betriebene Pumpwerke, Schleusen und Siele mit wesentlich höherer Leistung haben die alten Windpumpmühlen längst abgelöst, zumal sie windunabhängig waren. Nur wenige Exemplare sind der Nachwelt erhalten geblieben. Einige wenige Nachbauten von Fluttermühlen wurden von Heimat- und Touristikvereinen aufgestellt. Eine Fluttermühle steht am Ortsausgang von Riepe an der Landstraße nach Emden. Ein weiteres Exemplar befindet sich im Freilichtmuseum Cloppenburg. Im "Dörpmuseum" in Münkeboe befindet sich ein Modell eines Flutters.

 

Die neue Zeit hat in vielen Bereichen die Rückbesinnung auf vergangene Zeiten geweckt und auch der Fluttermühle wieder einen neuen Sinn gegeben. Nicht zur Entwässerung von Weideland, sondern zur Wiedervernässung von Moorbiotopen werden Fluttermühlen heute eingesetzt. Nachdem schon seit Jahren eine Fluttermühle in Bedekaspel am Großen Meer zwischen Emden und Aurich ein Biotop bewässert, wurden zwei weitere Fluttermühlen für die Bewässerung von weiteren Biotopen gebaut. Die Fluttermühle im Hammrich von Weenermoor und St. Georgiwold wurde als Ausgleichsmaßnahme im Bereich Naurschutz für den Windpark von Weenermoor gebaut und aufgestellt. Sie bewässert heute einen nahegelegenen Naturschutzbereich.

 

Wenn in unseren Tagen Fluttermühlen wieder ihren Dienst verrichten, wenn auch in umgekehrter Funktion, dann verdanken wir diese Renaissance zum großen Teil dem Umweltschutz- und Heimatgedanken unserer aktiven Bürger.

 

 

Technik

Eine hölzerne archimedische Schraube (Schnecke) wird in einer hölzernen Röhre über eine etwa 30 Grad gegen den Himmel geneigte Flügelwelle gedreht. Eine Besonderheit dieser Mühle stellt die Tatsache dar, daß die Schnecke ohne Übersetzung direkt mit der Antriebswelle gekoppelt ist. Aus einem tiefergelegenen Gewässer wird das Grundwasser ca. 2 m in einen höher gelegenen Abzugsgraben befördert, von wo es in den Hauptkanal abfließen kann bzw. wiederum per Mühle abgeschöpft wird.

 

   

 

Die Welle von 16 cm Durchmesser hat eine Gesamtlänge von 8,60 m. Bei einigen Exemplaren ist die Welle über einen senkrechten Pfahl von Hand in den Wind drehbar. Die Fluttermühle im Hammrich hat diesen jedoch nicht. Die zweigängige Schnecke von 4,60 m Länge dreht in einem Holzrohr von 45 cm Durchmesser und wird durch Segelflügel mit einer Spannweite von 7,10 m angetrieben. Bei jeder Umdrehung hebt sie 10 Liter Wasser 2 Meter höher.