Gastwirtschaft Penaat

 

In der Dorfchronik Weenermoor - Möhlenwarf - Beschotenweg wurde 1993 von Herrn Jakobus Schouwer ein Aufsatz über das Handwerk, den Handel und das Gewerbe in Weenermoor abgedruckt. Darin wird unter anderem auch die Gaststätte Penaat genannt, die über Jahrzehnte (neben der Kirche) ein Mittelpunkt des Dorfes war.

 

"Man kennt es schon nicht mehr anders: Vor mehr als 15 Jahren wurde das letzte Kolonialwarengeschäft in Weener geschlossen [gemeint ist das Lebensmittelgeschäft von Berta Smit, 1976]. Dazu schrieb die "Rheiderland"-Zeitung 1976 unter der Überschrift "Die Verödung eines Dorfes":

 

Ein Dorf ohne Laden und ohne Gaststätte ist wohl ein Dorf, dem ein bißchen die Seele fehlt. Laden und Kneipe - das sind Orte, an denen man sich trifft, miteinander redet, etwas erfährt und sich wohl auch mal streitet. Kommunikation nennt man das auf Neudeutsch Das häßliche Wort ändert dabei nichts an der Tatsache, daß es sich um eine schöne und für das menschliche Wohlbefinden wichtige Sache handelt.

Wenn die Weenermoorer jetzt mal dringend eine Kleinigkeit brauchen, müssen sie sich auf einen mehrere Kilometer langen Weg machen, mindestens bis nach Möhlenwarf."

 

 

Die Gaststätte und der Lebensmittelladen Penaat in Weenermoor war das klassische Beispiel eines Dorftreffpunktes. Hier gab es alle kleinen Dinge, die man täglich benötigte. Neben dem Angebot eines typischen "Tante-Emma-Ladens", konnte man auch Eisenwaren und Handwerksmaterial, sowie einige landwirtschaftliche Gebrauchsgegenstände erwerben. Daneben war im vorderen Teil des Hauses ein Gastraum mit einem kleinen Tresen untergebracht. Als Filiale der Post konnten hier auch Briefe und Pakete aufgegeben werden.

 

Gaststätte von Bernardus Aeishen

 

Postkarte um 1914

 

Die Gaststätte an der heutigen Weenermoorer Straße (Nr. 129) wurde von 1890 bis 1907 von Bernardus Aeishen betrieben. Hinrich Penaat erwarb Haus und Gaststätte im selben Jahr und führte die Wirtschaft bis 1950. Er erweiterte den Geschäftsbereich um einen Kolonialwarenhandel und die landwirtschaftlichen Gebrauchsgegenstände. Später kam auch eine Nebenstelle der Reichspost hinzu.

 

Kolonialwarenhandel, Post und Gaststätte Penaat

Ehepaar Penaat vor dem Haupteingang

 

Postkarte Anfang der 1930er Jahre

 

Haupteingang zur Gaststätte (Nachkriegsfoto)

 

Die alte Dorfstraße in Weenermoor (heute Weenermoorer Straße) war zunächst gepflastert und hatte einen sandigen "Sommerweg". Später wurde sie ganz gepflastert. Die Straße rückte damit immer näher an das Haus heran. Wegen der Verbreiterung der Hauptstraße mußte Anfang der 1960er Jahre bereits ein Teil des Hauses (rechts der Bereich mit der kleinen Tür hinter dem Schaufenster) abgerissen werden. Das Haus verlor etwas an Breite.

 

Fokko Penaat liefert Waren aus.

Frau Johanne Penaat führte die Gaststätte

 

Hinrich Penaats Nachfolger war sein Sohn Fokko, der den Betrieb von 1950 bis 1961 führte. Seine Frau Johanne leitete die Gastwirtschaft, die, wegen der Postfiliale im Haus, den Namen "Gaststätte zur Post" trug. Daneben verkaufte sie in dem kleinen Laden im selben Gebäude Lebensmittel, Manufaktur-, Eisen- und Porzellanwaren, sowie Kuh- und Pferdedecken.

 

Nach dem Tod von Fokko Penaat 1961 gab seine Frau Johanne den Betrieb der Gaststätte und des Ladens auf und baute neben dem Haus einen Bungalow. Dort betrieb sie aber weiterhin die Poststelle. Die Gastwirtschaft und der Laden wurden dann von Pächter Hans J. Schulz übernommen, der von 1961 bis 1971 dort arbeitete. Ihm folgte Pächter Siegfried Baumeister von 1971 bis zur Aufgabe des Gewerbes 1975.

 

Nach 1975 nutzten nacheinander alle drei Kinder der Familie Penaat das Gebäude als Wohnhaus. Nach dem tragischen Unfalltod des jüngsten Sohnes Günter wurde das Haus verkauft.

 

Das Wohnhaus nach Aufgabe des Gewerbes 1975

 

Das Haus wurde Anfang der 1980er Jahre wegen der Verbreiterung der Straße abgerissen. Einige Jahre zuvor wurde bereits ein Teil des Hauses aus Gründen der Verkehrssicherheit verkürzt. Außerdem führte die Ausfahrt einer private Straße vor dem in einer unübersichtlichen Kurve gelegenen Haus vorbei.

 

Trotz des Verständnisses für die Notwendigkeit des Abrisses blieb auch eine gewisse Traurigkeit bei den Weenermoorern zurück. Dies zeigte sich besonders beim Abriß selbst. Nahezu alle brauchbaren Materialien des Hauses (Dachziegel, Steine, Holz, Fenster, Inneneinrichtung, Beleuchtung usw.)  wurden verkauft, ab- und ausgebaut und fanden im ganzen Dorf eine neue Verwendung. Ein besseres Ende für ein Haus mit dieser langen gewerblichen Geschichte hätte es nicht geben können.