Die Flaggen der Friesen

Die Suche nach einer gemeinsamen Flagge für Friesland

 

 

Vorwort

 

Die Friesen sind seit jeher territorial und sprachlich sehr zersplittert. Trotz mehrerer Einigungsversuche ist nie zur Schaffung eines einheitlichen und gemeinsamen friesischen Staates gekommen. Zu groß war der Gedanke an die "Friesische Freiheit", der zwar eine lokale Ordnungsmacht zuließ, sich jedoch jedem Ansatz einer übergeordneten Herrschaft verweigerte. So haben sich dann auch in den friesischen Siedlungsgebieten unterschiedliche Flaggen entwickelt.

 

 

Die friesischen Flaggen in Deutschland

 

Die offizielle Flagge Ostfrieslands

 

Ostfriesland hat eine horizontale Trikolore in schwarz-rot-blau. Die Farben sind dem Wappen Ostfrieslands entnommen: Schwarz ist die Grundfarbe des Cirksena-Wappens, das Rot entstammt dem Wappen der tom Brok und Blau steht für das Harlingerland. Wappen und Flagge stammen von der Grafschaft und späterem Fürstentum Ostfriesland, das 1744 in Preußen aufging. Die ostfriesische Flagge hat heute wieder offiziellen Status, da sie von der Ostfriesischen Landschaft, einem Höheren Kommunalverband, im Jahr 1989 offiziell angenommen wurde. Im privaten Gebrauch verwenden viele Ostfriesen die Flagge auch in Verbindung mit dem gräflichen Wappen Ostfrieslands. Daneben existieren weitere Flaggen von Gebietskörperschaften oder Verbänden, mit denen sich Friesen in Deutschland identifizieren, etwa die Flagge der Insel Helgoland oder des Landes Wursten.

 

Die Flagge der Insel Helgoland
 
Die Flagge der Länder Hadeln und Wursten
im Landkreis Cuxhaven

 

Die Insel Helgoland gehört heute zu Schleswig Holstein und besitzt das älteste Wappen im Kreis Pinneberg. Es stammt aus dem Jahre 1696 und beruht auf einer von Herzog Friedrich IV. verliehenen Schiffahrtsflagge. Die Farben des Wappens wurden erst im 19. Jahrhundert mit dem Erscheinungsbild der Insel begründet. Bekannt geworden ist der folgende Spruch:

„Grön is dat Land, rot is de Kant, witt is de Sand. Dat sünd de Farven vun't hillige Land.“ (Grün ist das Land, rot ist die Kante (seltener: Wand), weiß ist der Sand. Das sind die Farben von Helgoland.)

Die Helgoländer sprechen noch heute ein helgoländer Friesisch, das "Halunder" genannt wird. Es gehört zur nordfriesischen Sprache.

 

Die beiden ehemaligen friesischen Länder Hadeln und Wursten bildeten seit jeher einen geschlossenen Kulturkreis und fühlen sich noch heute den Friesen verbunden. Beide Länder sind im heutigen Landkreis Cuxhaven aufgegangen und bilden die Samtgemeinden Wursten und Hadeln.

Das Wappen der Samtgemeinde Hadeln ist gespalten: Vorne neunmal geteilt von Schwarz und Gold, belegt mit einem gebogenen schrägrechts liegenden grünen Rautenkranz; hinten auf schwarzem Schildfuß in Gold der Heilige Nikolaus von Myra in Bischofsornat.

 

Das Wappen der Samtgemeinde Land Wursten ist ebenfalls gespalten und zeigt in den Farben Gold und Grün, rechts einen halben, rotbewehrten, schwarzen Adler, links unter silbernem Wellenbalken sieben goldene Kleeblätter, 2/2/2/1 angeordnet. Der halbe Adler, der sich in vielen friesischen Wappen findet, weist auf die Hoheitsrechte des friesischen Landes Wursten, der Wellenbalken auf die Flüsse und Wassergräben hin. Die grüne Fläche steht für die Marsch. Die Kleeblätter sind Sinnbilder der Landwirtschaft. Ihre Anzahl deutet auf den Zusammenschluß der sieben Gemeinden zur Samtgemeinde Land Wursten hin.

 

Offizielle Flagge des Landkreises Friesland

 

Im Osten grenzt Ostfriesland an den Landkreis Friesland. Das Gebiet des heutigen Landkreises gehörte einst zu den friesischen Seelanden und wurde nach einigen Fehden von ostfriesischen Truppen besetzt. Man konnte sich befreien und stellte sich unter oldenburgische Herrschaft. Seit dieser Zeit sind Ostfriesland und der heutige Kreis Friesland getrennt.

Das Wappen vereinigt zwei heraldische Symbole. Der Löwe ist das schon seit dem späten Mittelalter bezeugte Symbol des Jeverlandes bzw. das Herrschaftszeichen der Häuptlinge von Jever. Das Ankerkreuz ist entnommen aus dem Familienwappen der Grafen von Bentinck, der letzten Landesherren von Varel und Kniphausen. Durch die Bereinigung dieser beiden Hoheitszeichen in einem Wappen wird die Vereinigung der vormaligen Ämter Jever und Varel im heutigen Landkreis Friesland heraldisch zum Ausdruck gebracht. Die heraldische Beschreibung (Blasonierung) lautet: In Blau ein (rot-bewehrter) goldener Löwe zwischen einem silbernen Ankerkreuz im rechten und linken Obereck.

 

Offizielle Flagge Nordfrieslands

 

Die Flagge der Nordfriesen ist eine horizontale Trikolore in Gold, Rot und Blau. Teilweise wird darauf auch das nordfriesische Wappen abgebildet. Die friesischen Farben sind durch das Friesisch-Gesetz (Friisk Gesäts) des Bundeslands Schleswig-Holstein vom 11. November 2004 in § 5 offiziell anerkannt und dürfen neben den Landesfarben gezeigt werden.

 

Die Flagge der Gemeinde Saterland

 

Die Friesen im Saterland bilden heute die kleinste staatlich anerkannte sprachliche Minderheit in Deutschland. Das Sprachgebiet besteht aus vier kleinen Orten mit nur wenigen Tausend Einwohnern. Die Saterfriesen leben in der heutigen Gemeinde Saterland, die über eine offizielle Flagge verfügt. Sie zeigt das Wappen der Gemeinde auf einem gelben Streifen und zwei hellblauen Randstreifen. Das Breitenverhältnis der Streifen beträgt 1:3:1.

Das Wappen zeigt in Rot auf einem goldenen Thronsessel eine sitzende, jugendlich gelockte Königsfigur (Karolus Rex) in blauem Gewand mit goldenem Saum, goldenem Überwurf und goldenen Schuhen, in der linken Hand ein goldenes Zepter, in der erhobenen Rechten ein goldener Reichsapfel. An den Thron gelehnt ist der Reichsschild, ein schwarzer Doppeladler in Gold.

 

 

Die friesischen Flaggen in den Niederlanden

 

Die offizielle Flagge der Provinz Friesland

(Westfriesland)

 

Die niederländische Provinz Friesland (auch Westfriesland Westerlauwers Friesland oder Fryslân genannt) ist mit fast 650.000 Einwohnern der mit Abstand größte friesische Teil. Die Einwohner haben sich nicht nur die friesische Sprache ("Westerlauwers Fries" oder "Frysk") bewahrt, sondern auch ihre kulturelle und staatliche Einheit. Die Westfriesen haben als große sprachliche Minderheit ein großes Selbstbewußtsein entwickelt und sich viele umfassende staatliche Autonomierechte erstritten.  Sie haben nicht nur in der Hauptstadt eine Botschaft, sondern auch in Brüssel.

Die Westfriesen haben es im Jahr 1997 erreicht, daß ihre Heimat offiziell von "Friesland" in "Fryslân" umbenannt wurde. Seit 2004 wird auch das Friesische offiziell als Amtssprache verwendet.

 

Flagge und Wappen der Region Westfriesland

in der heutigen Provinz Nordholland

 

Die Region Westfriesland in der heutigen niederländischen Provinz Nordholland ist das westlichste Siedlungsgebiet der Friesen. Die wichtigsten Städte dort sind Hoorn, Enkhuizen, Schagen und Alkmaar. In der Region selbst sprechen heute die meisten Einwohner Niederländisch. Die Friesen dagegen sprechen mehrere regionale friesische Dialekte wie z.B. "Tessels" auf der Insel Texel, "Wierings" auf dem Land und einige Übergangsformen, die sich aus dem Alt-Friesischen herleiten.

 

Die Flagge der Stadt Groningen Die Flagge der Provinz Groningen

 

Die Provinz Groningen mit der Stadt Groningen gehört offiziell nicht zu den friesischen Ländern, denn ihre friesische Geschichte ist durch Zwietracht, Verrat und heftige Kämpfe geprägt. Groningen wird auch als "Stadt und Umland" bezeichnet, da diese beiden ursprünglich keine Einheit bildeten. Die Stadt selbst geht auf eine Gründung durch Sachsen im friesischen Gebiet zurück und so kam es jahrhundertelang immer wieder zu Feindseligkeiten. Irgendwann vereinigten sich dann Stadt und Land doch und man gründete die Provinz Groningen. Als Kompromiß sah man sich fortan nicht mehr als friesischen Landesteil an.

Das Wappen der Provinz Groningen zeigt jedoch in einem viergeteilten Schild diagonal angeordnet jeweils zwei Groninger Stadtwappen und zwei westfriesische Flaggen. Die Flagge der Provinz setzt sich aus den Farben der Stadt (weiß-grün-weiß) und der den westfriesischen Farben (blau-weiß-rot) zusammen.

 

 

Die erste interfriesische Flagge

 

Die erste interfriesische Flagge

Vorschlag der "Groep fan Auwerk"

 

Am 23. September 2006 wurde eine sogenannte Interfriesische Flagge von der vor allem in den Niederlanden beheimateten Gruppierung Groep fan Auwerk vorgestellt, die sowohl Nord-, Ost-, als auch die in den Niederlanden lebenden Westfriesen repräsentieren soll und eng mit dem von der Gruppe verfolgten Idee eines großfriesischen Staats verknüpft ist.

 

Das weiße skandinavische Kreuz, auf blauem Kreuz, auf goldenem Grund weist auf eine kulturelle Gemeinsamkeit der Friesen mit den skandinavischen Völkern und auf die christliche Religion hin. Es stellt die Verbindung der vier Teile der Flagge dar. Die Farben leiten sich von den bestehenden Flaggen der friesischen Gruppen ab. Das Gelb (Gold) stammt aus der Flagge der Nordfriesen und der Flagge der Gemeinde Saterland. Es findet sich aber auch in den Löwen der Wappen der niederländischen Provinz Friesland und Region Westfriesland wieder. Blau ist in fast jeder friesischen Flagge vertreten. Weiß kommt in den Flaggen von Helgoland, Westergo und Ameland vor. Die roten Seerosenblätter (Pompeblêden) sind der Flagge des niederländischen Frieslands entliehen. Rot kommt auch in den Flaggen von Groningen, Oostergo, Saterland, Ostfriesland, Helgoland und Nordfriesland vor. Gelb/Gold symbolisiert den Reichtum, eine goldene Zukunft und fruchtbaren Boden, bedeckt mit Butterblumen, Getreide und Raps. Die Deiche werden auch als „goldener Ring“ bezeichnet. Blau steht für das Wasser, das Meer und die Kanäle. Weiß ist das Sonnenlicht, das über das Wasser und auf die Erde scheint. Weiß steht auch für den Frieden.

 

Die vier Seerosenblätter sollen für die von der Groep fan Auwerk deklarierten vier Teile des heutigen Frieslandes stehen, nämlich für West-, Ost- und Nordfriesland sowie für die von der Gruppe Südfriesland genannte Provinz Groningen, deren Einwohner sich aber bereits seit Jahrhunderten nicht mehr den Friesen zugehörig fühlen und dementsprechend auch nicht in friesischen Verbänden vertreten sind.

 

Die Flagge der Groep fan Auwerk geriet nach der Vorstellung in die Kritik und findet bis heute außerhalb der Gruppierung kaum Verwendung. Auch der Interfriesischen Rat lehnte den Entwurf schließlich aus verschiedenen Gründen ab. Allerdings griff der Rat die Idee einer gesamtfriesischen Flagge im Juni 2007 auf. Auf dem Friesenkongreß vom 12. bis 14. Juni 2009 in Leer wurde schließlich eine eigene, offizielle (zweite) interfriesische Flagge vorgestellt.

 

 

Die zweite Interfriesische Flagge

 

Um die grenzübergreifenden Gemeinsamkeiten der drei großen friesischen Landesteile Ostfriesland, Westfriesland und Nordfriesland zu festigen, hat der Interfriesische Rat eine gemeinsame Flagge für ganz Friesland in Auftrag gegeben. Der Interfriesische Rat ist eine gemeinsame Interessenvertretung der Sektionen Nord- Ost- und Westfriesland. Der Vorsitz wechselt turnusmäßig alle drei Jahre von Sektion zu Sektion. Angehörige aller drei offiziellen Landesteile wurde aufgefordert, Entwürfe einzureichen. Die Flagge sollte einen gemeinsamen Wiedererkennungswert besitzen.

 

Die offizielle Flagge des Interfriesischen Rates

Interessenvertretung der West-, Ost- und Nordfriesen

 

Die Wahl fiel schließlich auf den Entwurf von Charly Rickmers aus Oldsum auf Föhr. Auf der neue Flagge sind geschickt die Farben von Europa und den drei offiziellen friesischen Gebieten vereint:

 

Das obere (nördliche) Drittel des Kreises zeigt die Farben Nordfrieslands, das rechte (östliche) Drittel die Farben Ostfrieslands und das linke (westliche) Drittel die Farben Westfrieslands. Das Blau des Hintergrundes soll die Zugehörigkeit der friesischen Landesteile zum vereinten Europa symbolisieren, genauso wie die kreisförmige Anordnung der Flaggenteile.

 

Der Kreis steht außerdem für Einheit, Gleichheit und Zusammengehörigkeit aller Friesen. Die neue Flagge soll keineswegs die Flaggen der einzelnen friesischen Landesteile ersetzen. Der Interfriesische Rat wünscht und hofft, daß die neue Flagge demnächst recht häufig zu sehen sein wird. Sie soll ein Zeichen der Verbundenheit der verstreuten friesischen Gebiete sein.