Das ostfriesische Wappen

 

 

 

Im Jahr 1626 führte Graf Rudolf Christian das sechsfeldrige ostfriesische Wappen ein, welches in seiner Vielfalt den Kampf der Cirksena um die Vorherrschaft in Ostfriesland widerspiegelt.

 

Erklärung:

 

Erstes Feld: Eine goldene Harpyie oder Jungfrauenadler auf schwarzem Grund, begleitet von vier goldenen Sporenrädern. Dies ist das Wappen der aus Greetsiel stammenden Familie Cirksena.

 

Zweites Feld: In Rot der goldene Adler der Familie tom Broek, die in Aurich ansässig war.

 

Drittes Feld: In Silber ein mit Rauten belegter roter Balken, begleitet von drei blauen Halbmonden. Dies ist das Wappen der Herrschaft Manslagt in der Krummhörn.

 

Viertes Feld: Der silberne Löwe in Blau der Familie Ukena, die das Moormerland um Leer beherrschte.

 

Fünftes Feld: In Gold der schwarze Bär der Familie Attena aus Esens.

 

Sechstes Feld: Zwei gekreuzte Geißeln in Blau. Dies ist das Wappen des Häuptlings Hero Omken aus dem Harlingerland.

 

 

 

 

Das Ostfriesische Ständewappen

 

 

 

Die Ostfriesische Landschaft führt das am 14.01. bzw. 24.01.1678* von Kaiser Leopold I. den Ostfriesischen Ständen verliehene Wappen. Es zeigt in einem roten Schild einen grünen Eichenbaum auf einem grünen Hügel, danebenstehend einen geharnischten Mann, eine Lanze in seiner rechten und einem Degen in seiner linken Hand, mit zwei weißen und zwei blauen Federn gezierten Bügelhelm auf dem Haupt.

 

Daß die Ostfriesische Landschaft als Vertretung der bürgerlichen Stände neben dem offiziellen gräflichen bzw. fürstlichen Wappen ein eigenes Wappen führen darf, ist nicht nur eine Besonderheit, sondern auch eine Einzigartigkeit in Deutschland. Nirgendwo sonst wurden damals Volksvertreter mit einem Herrscherhaus auf eine Stufe gestellt. Damit mußte sich das bis dahin eher absolutistisch regierende Herrscherhaus der Cirksena in Ostfriesland faktisch mit einem Parlament (wenn auch nicht frei gewählt) auseinandersetzen.

 

Die Farben der Flagge der Ostfriesischen Landschaft sind drei gleich breite Querstreifen schwarz-rot-blau. Sie stellen die Farben der Herrscherhäuser der Cirksena (schwarz), der tom Broek (rot) und des Harlingerlandes (blau) dar. In einer anderen Erklärung steht das Blau für das Herrscherhaus der Ukena. Die Farben wurden 1989 von der Ostfriesischen Landschaft offiziell angenommen und sind damit rechtskräftig geworden.

 

*Das obengenannte Datum ist ein und derselbe Tag nach dem julianischen Kalender, denn die protestantischen Landesteile nahmen erst 1700 den gregorianischen (katholischen) Kalender an.

 

 

 

 

Das Wappen des Rheiderlandes

 

Das zweigeteilte Rheiderland-Wappen zeigt den halben Adler als Zeichen der damaligen “Reichsunmittelbarkeit”. Bis in das 15. Jahrhundert hinein war das Reiderland (damals ohne "h" geschrieben) als Teil der friesischen Seelande ein selbständiger kleiner friesischer Freistaat und wurde von Konsuln und Richtern verwaltet. Es führte auch ein eigenes Siegel. Die rechte Hälfte zeigt eine halbe Lilie als Symbol der Reinheit aus vor-reformierter Zeit - oft auch in Verbindung mit Maria, der Mutter Gottes zugewandt.

 

Der damalige Freistaat Reiderland umfaßte das gesamte im heutigen Dollart versunkene Land, das Oldampt auf niederländischer Seite einschließlich Winschoten, Bylham und Bellingwolde (zeitweilig auch Westerwolde), die Gemeinde Reiderland und auf deutscher Seite unser jetziges Rheiderland mit den Gemeinden Bunde und Jemgum, der Stadt Weener und der zur Stadt Leer gehörenden Ortschaft Bingum.

 

Daß das Wort "Rheiderland" auf deutscher Seite mit einem "h", auf der niederländischen Seite aber ohne diesen Buchstaben geschrieben wird, hat seine Wurzeln in der deutschen Unsitte in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch nach der Rechtschreibreform von 1901 wurde das "h" beibehalten.

 

Das Wappen wurde auf Anregung des früheren Landrates des Kreises Weener, Dr. Benno Eide Siebs, entworfen.

 

 

 

 

Wappen und Siegel der Stadt Weener

 

Das Wappen der Stadt Weener zählt zu den größten Seltenheiten in der Heraldik (Wappenkunde). Als Schildfigur führt es einen sagenhaften Vogel, der eigentlich der ägyptischen Mythologie angehört: Es ist der Phönix, ein Symbol des Sonnengottes Re – später Osiris. Er ist die Verkörperung der unsterblichen Seele.

 

Dargestellt wird er als ein aus den Flammen eines Scheiterhaufen hervorwachsender Greifvogel. Dies ist ein aus einem alten Ortssiegel übernommener Teil. Es symbolisiert die vielen Neuanfänge Weeners nach Bränden oder Brandschatzungen – besonders während des Dreißigjährigen Krieges 1618-48. 

 

Ältere Wappendarstellung Das heutige Wappen von Weener

 

 In der Hauptsatzung der Stadt Weener (Ems) ist das Wappen wie folgt beschrieben:

 

 „Das Wappen der Stadt Weener zeigt in blau auf goldenem mit schräg gekreuzten schwarzen Scheiten belegten Flammen stehend einen in der oberen Hälfte silbern, unten roten, gold bewehrten und rot bezungten Phoenix“.

 

"Gemeente Bestuur van Weender" von 1811
 (Gemeindeverwaltung von Weener) Siegel von Weener
 aus der Zeit der französisch-niederländischen Besatzungszeit

Siegel der Gemeindeverwaltung 1859
während der Zugehörigkeit zum Königreich Hannover
 

 

Im Heimatmuseum in Weener befindet sich das Petschaft (Handstempel zum Siegeln) des "Maire" (Bürgermeister) von Weener aus der napoleonischen Besatzungszeit am Anfang des 19. Jahrhunderts. Das Rheiderland gehörte damals zum "Departement West-Eems, Arrondissement Winschoten". Weener war damals Canton Ort.

 

Um das Jahr 1811 führte Weener ein Siegelpetschaft mit einem gekrönten, viergeteilten Schildbild, darauf gekreuzt im 1. und 4. Geviert auf senkrechten Strichen ein Löwensymbol und auf dem 2. und 3. Geviert auf waagerechten Strichen ein flügelschwingender Adler. Die Umschrift lautet: "Gemeente Bestuur van Weender" (Gemeindeverwaltung von Weener).

 

Nach dem Beschluß des "Wiener Kongresses" von 1815 kam Ostfriesland nicht wieder zu Preußen, sondern wurde dem Königreich von Großbritannien und Hannover zugesprochen und blieb dort bis 1866.

 

Das Siegel des Fleckens Weener 1867
(vermutetes Verwendungsjahr)
Das Siegel des Fleckens Weener 1894
 

 

Nach dem Sieg Preußens über die Truppen des Königreiches Hannover 1866 bei Langensalza wurde das Könighaus gestürzt und das Land von Preußen als "Provinz Hannover" annektiert. Damit kam auch Ostfriesland wieder unter preußische Herrschaft. Im Zuge der Neugliederung der Verwaltungen der neuen Provinz nach 1866 und nach der Reichsgründung 1871 erhielt Weener ein neues Siegel.

 

Das Siegel des Fleckens Weener 1900
(vermutetes Verwendungsjahr)
Das Siegel des Fleckens Weener 1928
 

 

Nach dem Esten Weltkrieg wurde das Deutsche Reich zur Republik. Mit einer Reform der Wappen in den preußischen Landesteilen wurden die ehemaligen Königsinsignien (Kronen, Zepter u. ä.) aus den meisten Wappen entfernt. Andere Wappen wurden heraldisch angepaßt - so auch das Wappen des Fleckens Weener. Im Jahr 1929 wurden Weener dann die Stadtrechte verliehen.